Entspannt statt gestresst

Kennst auch du dieses spezielle Gefühl, vom Stress aufgefressen zu werden?

Auf dem Schreibtisch türmt sich Unerledigtes, das Smartphone macht fast ununterbrochen „Ping“, in den E-Mail-Eingangsordner mag man gar nicht mehr gucken. Schon dreimal hat ein Mitarbeiter um ein dringendes Gespräch gebeten, in 10 Minuten beginnt der nächste Termin mit einem Kunden. Es ist 18.30 Uhr. Das Gespräch wird mindestens 2 Stunden dauern. Eigentlich wolltest du dich heute noch mit einem wichtigen Projekt beschäftigen, das endlich vorangetrieben werden müsste. Aber es kam wieder zu viel dazwischen. Zuhause wartet die genervte Partnerin, die mehr Zeit für die Familie einfordert. Beam me up, Scotty!

Woran liegt es, dass wir unser Leben so aus der Hand geben und es von äußeren Einflüssen bestimmen lassen? Dieses durch den Tag gejagt werden stresst uns, macht uns unzufrieden und irgendwann krank. Wenn ich als Coach mit Menschen spreche, die so oder ähnlich empfinden, erlebe ich häufig ihre tiefe Frustration. Das sprichwörtliche „Hamsterrad“ oder die „Tretmühle“ werden immer wieder als Ursache der Unzufriedenheit genannt. Der Job macht schon lange keinen Spaß mehr, für die engagierte Arbeit gibt es keine Anerkennung, zuhause fehlt die Kraft für familiäres Engagement. Die Lage sieht insgesamt mehr als bescheiden aus. Alle beteuern, sich intensiv für ihre Aufgabe einzusetzen, leistungsfähig und leistungswillig zu sein. Sie arbeiten gerne, auch viel, lieben ihre Familien und wollen das Beste. Was läuft trotz dieser guten Voraussetzungen schief?

Schritt für Schritt aus der Frustschleife

Auch ich war vor vielen Jahren an diesem Punkt angekommen, der sich anfühlt, als könne mein Leben nur noch in einer deprimierenden Dauerschleife vor sich hinplätschern. Obwohl ich noch ein junger Mann war, empfand ich meine Karriere bei der Bundeswehr als ausgereizt. Ich kannte die Routine, war Teil von ihr, sah die kommenden 25 Jahre in der immer gleichen Weise ablaufen. War es das, was ich von meinem Leben erwartet habe?

Ich habe damals einen Nebenjob angenommen, in dem ich wieder etwas reißen konnte. Im Vertrieb hatte ich unmittelbaren Einfluss auf den Erfolg meiner Tätigkeit. Zwar musste ich verdammt viel lernen, um diesen Erfolg zu erzielen, aber das gehörte nun mal dazu. 60 Stunden-Wochen habe ich ebenfalls problemlos weggesteckt. Wie mir das gelungen ist? Ich hatte klare Ziele: beruflichen Erfolg, Vermögen, Zufriedenheit. Damit habe ich mich motiviert. Beim Händler meines Traumautos habe ich es Probe gefahren. Danach habe ich mir das Versprechen gegeben, diesen Wagen in spätestens drei Jahren zu kaufen. Geschafft habe ich es nach zwei Jahren.

Arbeit kann zufrieden machen

Das war kein Schicksal oder Zufall, sondern harte Arbeit. Neben den Zielen zur Motivation habe ich mich gut organisieren müssen, um mein tägliches Pensum zu bewältigen. Kurz nach dem Start der Nebentätigkeit habe ich mir einen Mentor gesucht, der mir praktische Hinweise zur Selbstorganisation gegeben hat. Prioritäten setzen, Arbeit abgeben, nicht zu viel auf einmal wollen, Zeit aktiv und konsequent einteilen, Entscheidungen nicht aufschieben – ich habe davon profitiert. Dadurch hatte ich die Fäden wieder in der Hand und konnte selbstbestimmter arbeiten. Mein Mentor, ein älterer, sehr erfolgreicher Unternehmer, hat mir aber auch Tipps gegeben, mit denen ich mein privates Leben entspannter gestalten konnte. „Es kommt nicht darauf an, wie viel Zeit du mit deiner Familie verbringst. Es kommt darauf an, welche Qualität dieses Zusammensein hat.“ Zeit haben bedeutet für Partner und Kinder, dass man voll und ganz bei ihnen ist. Nicht nur körperlich anwesend, sondern persönlich zugewendet, ohne Druck im Nacken und Arbeit im Kopf.

Kinder haben nicht viel von genervten Eltern, die damit hadern, den ganzen Tag zuhause zu hängen und wichtige Arbeit liegen lassen zu müssen. Kinder spüren, wenn Eltern sich nicht auf sie einlassen können. Sie denken, sie tragen die Schuld daran und sind „nicht in Ordnung“. Förderlicher wäre es für alle Beteiligen, gemeinsame Zeiten abzumachen. Ich gehe zum Beispiel Samstagvormittags ins Büro. Nachmittags gibt es dann die Zeit mit meiner Tochter, in der wir verlässlich etwas unternehmen. Perfekt ist es, mit Kindern einen gemeinsamen Sport zu betreiben, ein Hobby zu haben oder etwas anderes zu unternehmen, das gemeinsames Handeln erfordert.

Hausgemachter Frust

Ein Bekannter von mir hat aktuell aus zwei Ehen 3 Kinder, die zweite Scheidung steht bevor, die nächste schwangere Ehefrau ist am Start. Die Trennungsgründe sind identisch. Er arbeitet zu viel, ist in seiner Familie eigentlich nur ein Gast. Der Mann hat schon einen Burn-out hinter sich, weil er sich von seiner Arbeit auffressen lässt und den Spagat zwischen Beruf und Familie nicht hinbekommt. Das Positive in seinem Leben besteht aus den Phasen der Verliebtheit, wenn die Beziehungen noch rosarot und aufregend wirken. Die Unterhaltszahlungen für seine Kinder werden keine großen Sprünge für die dritte Ehe zulassen. Wie lange wird die Euphorie in Ehe Numero 3 anhalten, wenn er sein Leben und seine Einstellungen nicht grundsätzlich ändert?
Wenn der Mann so weiter macht, hat er wahrscheinlich in spätestens 10 Jahren Ehefrau Numero 4, 5 Kinder und seinen ersten Infarkt. Er wird niemandem auch nur annähernd gerecht geworden sein, weder seinen Kindern, noch seinen Ehefrauen, am aller wenigsten sich selbst. Sein Leben ist ein einziger großer Stress und eine Aneinanderreihung von Gefühlen der Enttäuschungen und Frustration.

Aktiv in die Selbstbestimmung

Als Coach würde ich mit ihm seine Ziele überdenken. Wo will er hin? Wer will er sein? Mit welchen Schritten kann er diese Ziele realisieren? Was läuft in seinem Job schief, der ihn derart auslaugt, dass er sein soziales Leben so vernachlässigt? Wie organisiert er sich? Welche seiner Einstellungen und Haltungen hindern ihn daran, sich abzugrenzen und selbstfürsorglicher zu sein, um mehr Kraft für seine Familie zu haben und zufriedener zu werden? Vielleicht liegt des Rätsels Lösung auch in der Fremdbestimmtheit, die ihn als angestellten Geschäftsführer mit 160 Mitarbeitern im Dienstleistungsbereich mürbe macht?

Ich halte keine Situation für hoffnungslos. In unserer Gesellschaft gibt es für jeden selbstbestimmte Perspektiven, um ein ausgefülltes Leben zu führen. Viele Menschen brauchen allerdings Anstöße und fundierte Unterstützung, um sich auf diesen Weg zu wagen. Aus meiner eigenen Erfahrung lohnt es sich, Ängste und Unsicherheiten zu überwinden und etwas Neues zu wagen, wenn das Alte wie zäher Schlamm ein Vorankommen verhindert.

Heute geht es mir gut. Ich bin Unternehmer, habe mir einen erfüllenden Aufgabenbereich aufgebaut, treibe meinen Vermögensaufbau voran und verbringe entspannte Stunden mit Frau und Kind. Wenn ich meine Situation heute mit der von vor 17 Jahren vergleiche, habe ich eine 100prozentige Steigerung meiner Lebensqualität bewirkt. Es gibt stressige Phasen, aber es überwiegt die Freude an einer Tätigkeit, die mir Spaß macht und die sich auszahlt.
Stress ist kein Schicksal. Man muss sein Leben eben selber in die Hand nehmen!

Herzlichst

Mike Warmeling

Entspannt statt gestresst
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