Gedankenspiel oder gute Geschäftsidee?

Erfindung oder Geschäftsidee?

Ohne Geistesblitze hätte sich in der Menschheitsgeschichte nicht viel bewegt. Diese Ideen waren und sind der Motor vieler Entwicklungen. Aber nicht jeder Erfinder hatte eine gute Geschäftsidee. Häufig wurden erst diejenigen Menschen mit einer Neuentwicklung berühmt, die sie umgesetzt und allgemein zugänglich gemacht haben.

Schon im Jahr 1863 machte Étienne Lenoir mit dem Hippomobile, einem Fahrzeug mit internem Verbrennungsmotor, eine 18 km lange Fahrt. Doch Carl Benz gelang es 1886, sein Automobil bekannt zu machen und es in Serie zu produzieren.  Er gilt deshalb allgemein als Erfinder des Autos.

Dieses Beispiel gibt einen ersten Hinweis, worin der Unterschied zwischen einer Idee und einer Geschäftsidee besteht:

Eine Geschäftsidee umfasst immer auch die Überlegung, ein Produkt oder eine Dienstleistung dem Markt bekannt und zugänglich zu machen.

Ist die Idee schon eine Geschäftsidee?

Frank, ein Freund von mir, kam völlig begeistert aus dem Urlaub auf Mallorca zurück. Dort hatte er im Hotel allabendlich sein Essen mit dem regionalen Likör Hierbas abgeschlossen. Der spanische Absacker wird aus Kräutern und Anis hergestellt.

„Mike, kennst du Hierbas schon? So ein geiles Zeug! Ich werde Importeur! Der räumt den Magen auf! Und er schmeckt nach allen Aromen einer mediterranen Kräuterwiese. Den brauchen wir hier in Deutschland auch. Das wird ein Knaller!“

Mein Freund war völlig aus dem Häuschen. Er sah sich schon seinen Job hinschmeißen, um ganz Deutschland mit spanischem Kräuterlikör zu beglücken. „Frank, hast du recherchiert, ob man deinen Hierbas schon in Deutschland bekommt?“ Wir haben bei Google nachgeschaut. „Hierbas kaufen“, 190.000 Treffer. Hierbas gibt es in deutschen Supermärkten.

Frank war geknickt. Er hatte vor diesem Urlaub noch nie etwas von Hierbas gehört. Aber Mallorca ist die Lieblingsinsel deutscher Urlauber. Deshalb kann man davon ausgehen, dass so ziemlich alles typisch Mallorquinische, was dort Gefallen findet, auch hier im Geschäft oder im Internet zu haben ist.

Natürlich könnte man eine Nische im Angebot finden: Hierbas, in limitierter Menge, aus handgepflückten Kräutern, von mallorquinischen Nonnen nur bei Vollmond mazeriert, mit aphrodisierendem Anis aus einer steilen Hochlage, 0,3 Liter für 89 €. Als Hobby wäre der Vertrieb vielleicht eine nette Aufgabe. Hätte man genug Kapital, könnte man auch daran arbeiten, Hierbas zum führenden Kräuterlikör in Deutschland zu machen. Selbst Guerilla-Marketing kostet viel Geld.  Das hat Frank aber nicht. Machen weitere Gedanken zum Thema Sinn? Meinen Job würde ich an seiner Stelle nicht für Hierbas aufgeben…

Was wird deutlich?

Eine Idee hat das Potenzial zur Geschäftsidee, wenn ein Angebotsmarkt eine Nische aufweist.

Eine gute Geschäftsidee muss das Rad nicht neu erfinden

Mit offenen Augen und Ohren zu reisen, wenn man eine Gründungsidee sucht, ist gar nicht verkehrt. Anregungen kann man gut fern der Heimat finden. Es gilt, sie zu entdecken, um sie in heimischen Gefilden umzusetzen.

Aber sei vorsichtig: Im Urlaub ist man in einer ganz besonderen Stimmung und lässt sich leichter begeistern. Oft entspringt die Euphorie für ein Produkt der Ferienstimmung, nicht der tatsächlichen Güte. Etwas schmeckt im Mondschein unter Palmen viel besser, als zuhause auf dem Sofa.

Eine ungewöhnliche Dienstleistung findet nicht überall Kunden. Der Rikscha-Service aus dem Asien-Urlaub ist in Berlin eine Option. In einer Kleinstadt gibt es nicht genug Touristen, um ihn anzubieten.

Auch andere extreme Nischenprodukte sind eher für das Internet geeignet, wo eine spezielle Zielgruppe überregional angesprochen werden kann. Eine Ausnahme: Man hat weit und breit eine solche Alleinstellung, dass Interessierte weite Wege auf sich nehmen. Das ist bei bestimmten Hobbies, Luxusgütern und erklärungsbedürftigen Produkten der Fall. Ansonsten macht ein Ladenlokal für den Spezialbedarf keinen Sinn. Wohl aber die Übertragung einer stationären Geschäftsidee aus der Großstadt auf einen Internetshop, der Kunden überall erreichen kann.

Ich kenne jemanden, der ein breites Sortiment an ferngesteuerten Spielzeug-Drohnen und Modellbauartikeln anbietet. Er hat vor kurzem sein Ladenlokal von der Stadt auf das Land verlagert, um sich kostenneutral zu vergrößern. Seine Stammkunden werden ihm überall hin folgen, weil er ein ungewöhnliches Sortiment bietet und absolut beratungs- und servicestark ist. Die Objekte der Begierde können ausgiebig getestet werden. Das kann das Internet nicht bieten.

Böte er das übliche Spielzeug-Sortiment an, könnte er seinen Laden besser schließen, als ihn aufs Dorf zu verlagern.

Damit kommen wir zu einer weiteren wichtigen Voraussetzung, die eine Idee zur Geschäftsidee macht:

Eine Idee wird zur Geschäftsidee, wenn sie zum geplanten Standort und Vertriebsweg passt.

Warum werden Ideen nicht zu Geschäftsideen?

Viele Menschen haben schon grandiose Ideen gehabt, die das Potenzial für eine erfolgreiche Gründung gehabt hätten. Verschiedene Gründe führen dazu, sie nicht zu realisieren:

  • Das Projekt bleibt ein Gedankenspiel, geht aber nie in die Umsetzungsphase.
  • Die Umsetzung aus Angst vor dem Scheitern und der Verantwortlichkeit immer wieder aufgeschoben.
  • Es fehlt die solide Informationsgrundlage, um eine Entscheidung zu treffen.
  • Die Zeit für die Umsetzung steht nicht zur Verfügung.
  • Die Motivation fehlt, sich aus der Komfortzone zu bewegen.

Das Fazit:

Um aus einer Idee eine Geschäftsidee zu machen, brauchst du Biss und Mut, Durchhaltevermögen und ein gutes Zeitmanagement, musst dein Projekt aktiv angehen und dich informieren.

Das ist die Investition in die Chance auf ein selbstbestimmteres Leben und unternehmerischen Erfolg.

Woher bekomme ich Ideen für eine Gründung?

Du möchtest dich selbstständig machen, hast aber keine Idee? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, auf eine gute Geschäftsidee zu kommen. Was ist deine größte Leidenschaft?  Was machst du richtig gerne? Worüber hast du dich schon oft geärgert? Was klappt im Job bei bestimmten Lieferanten/Dienstleistern nie? Worüber beklagen sich Freunde und Bekannte immer wieder? Aus all diesen Fragen lassen sich Ansätze für Ideen ableiten.

Im Internet gibt es Infos zu Bereichen, die in den kommenden Jahren weiter boomen werden. Immer wieder genannt werden:

  • Gesundheit und Fitness
  • Dating und Beziehungen
  • Finanzen und Business

Hast du einen Bezug zu einem dieser Themen? Es gibt noch viele Nischen, um hier Geld zu verdienen.

Vor ein paar Tagen habe ich etwas über englische Ernährungsberatungskurse für Männer gelesen, die mit Fußballspielen in einer Mannschaft verknüpft werden. Jedes Team wird in der Tabelle mit Zusatzpunkten für die verlorenen Kilo seiner Spieler belohnt. Der Teamgeist beflügelt die Teilnehmer erfolgreich dabei, sich beim Essen und Trinken zu disziplinieren. Statt zum Weight Watchers-Meeting zum Fussballtraining gehen? Ideen muss man haben! Sowas kann kommerziell aufgezogen werden.

Fällt dir absolut nichts ein, womit du dich selbstständig machen könntest, guck dir doch die Optionen an, die Franchise- oder Lizenzgeber anbieten. In meinem kostenlosen E-Book „Clever gründen mit System“ findest du Informationen zu diesem Thema. Wir hätten da auch ein paar Vorschläge…

Herzlichst
Mike Warmeling

Gedankenspiel oder gute Geschäftsidee?
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