Raus aus der Überforderung, Teil 1

Der Begriff „Überforderung“ hat einen negativen Beigeschmack. „Sie sind mit dieser Aufgabe überfordert?!“, ist eine Aussage, die niemand von seinem Chef oder seiner Chefin hören will. Keiner möchte als Versager dastehen, weil er seine Arbeit nicht gebacken bekommt. „Überforderung“ klingt nach individuellem Unvermögen und weist auf Grenzen der Machbarkeit beim Einzelnen hin. Deshalb benutzen wir häufiger die Formulierung: “Ich bin im Stress“.

Was ist eine Überforderung und welche Folgen hat sie, woran erkenne ich sie und wie stelle ich sie ab? Wie sorge ich für mehr Zufriedenheit bei der Arbeit? Mit diesen Themen werde ich mich in diesem und dem nächsten Blog-Artikel beschäftigen.

In unserer Gesellschaft definieren wir uns über unsere Leistungsfähigkeit. Was eine Leistung ist, wird durch stille Übereinkünfte festgelegt. Schon Kinder in der Schule müssen erleben, dass sie auf Grund ihrer „Leistungen“ bewertet und für gut oder schlecht befunden werden. Bei der Arbeit drückt sich diese Bewertung als „Belohnung“ durch Anerkennung, die Position und die Bezahlung aus. Wer etwas leistet, kann sich mehr leisten. Für manche Menschen steht die Anerkennung als Motivation im Fokus, andere brauchen den hohen Verdienst, um sich zu motivieren. Dafür nehmen sie es in Kauf, Höchstleistungen zu erbringen. Unsere individuelle Leistungsfähigkeit ist jedoch begrenzt. Aus der Herausforderung wird eine Überforderung, wenn diese Grenze überschritten wird.

Positiver und negativer Stress

Auf der Jagd nach der „Belohnung“ kann Druck entstehen. Viele können nicht „Nein“ sagen, wenn Ihre Grenzen des Machbaren erreicht sind. Sie möchten leistungsfähig erscheinen, nicht überfordert. Statt positiver Herausforderung, dem „Eustress“, dominiert als Folge der negative „Disstress“, dem der Körper auf Dauer nichts entgegensetzen kann. Körper und Seele reagieren bei chronischem Disstress überfordert und schränken ihren Betrieb ein, um sich zu schützen.

Stress ist im ursprünglichen Sinne ein Zustand, in den uns der Körper versetzt, um innerhalb von Sekundenbruchteilen Höchstleistungen abzurufen. Diese Fähigkeit hat sich in der evolutionären menschlichen Entwicklung herausgebildet, damit wir blitzschnell vor Gefahren fliehen oder uns umgehend zur Wehr setzen können. Bewegung ist die natürlichste Form, um diesen Stressmodus herunterzufahren. Läuft unser innerer Motor pausenlos auf Hochtouren, ist über kurz oder lang mit Ausfällen an Körper und Seele zu rechnen.

Formen der Überforderung

In der Psychologie werden verschiedene Formen der Überforderung benannt. Jemand kann psychisch, sozial, emotional oder intellektuell überfordert sein. Diese verschiedenen Formen können auch gemeinsam auftreten und zu einer mehrfachen Überforderung führen. Die Unterforderung kann übrigens ebenfalls zu Problemen führen, denn eine gewisse Herausforderung brauchen Menschen, um mental gesund zu bleiben.

Die Idealform der „Herausforderung“, der Bereich zwischen Unter- und Überforderung, wird „Flow“ genannt: Anforderungen und Fähigkeiten passen stimmig zusammen.

In der Arbeitswelt wird ebenfalls zwischen verschiedenen Überforderungsarten differenziert:

● Fachliche Überforderung entsteht durch Aufgaben, für deren Bewältigung die nötige Fachkompetenz fehlt.
● Von Überanstrengung spricht man, wenn der nötige Einsatz zu hoch ist.
● Eine Überlastung liegt vor, wenn die physische und psychische Belastung zu groß ist.
● Zu viel Zeitdruck führt zu zeitlicher Überforderung.

Eine kurzzeitige Überforderung ist unangenehm, aber schnell zu bewältigen. Überwiegt jedoch dauerhaft das Gefühl, der Arbeit oder Arbeitssituation nicht gewachsen zu sein, „es nicht mehr zu schaffen“, kann es gefährlich werden. Versagensängste und das Gefühl von Hilflosigkeit entstehen, Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit nehmen ab, ein Burn-out droht. Was man schon befürchtet hat, tritt nun tatsächlich ein: Die Arbeitsfähigkeit nimmt Schaden und man ist tatsächlich mit seinen Aufgaben überfordert, weil die Leistungsfähigkeit dramatisch abnimmt.

Was macht uns Druck?

In einer Umfrage wurden Arbeitnehmer befragt, was ihnen den meisten Druck bereitet. Genannt wurden:
● Permanente Erreichbarkeit
● Hohe Anforderungen – sowohl vom Arbeitgeber, wie auch vom Arbeitnehmer an sich selbst
● Termindruck
● Doppelbelastung Job und Familie

Wie äußert sich die Überforderung?

Die Überforderung stellt sich schleichend und in individueller Ausprägung ein. Die Symptome können beispielsweise so aussehen: Plötzlich kann man sonntagabends nicht mehr einschlafen und graust sich bereits vorm Arbeitsbeginn am nächsten Morgen. Montagmorgen möchte man am liebsten nicht unter der Dusche hervorkommen und sich lieber im Bett verkriechen. Auf der Arbeit schiebt man Dienst nach Vorschrift, hat keine Freude mehr an seinen Aufgaben, arbeitet das Nötigste ab und denkt sich seinen Teil, statt noch aktiv an Projekten teilzuhaben. Abends ist man zu kaputt, um Freunde zu treffen, möchte nur seine Ruhe haben, reagiert gereizt auf Aufforderungen zu Aktivitäten. Man fühlt sich bleiern, schläft schlecht, ist nie wirklich ausgeruht und erkrankt häufiger, als normalerweise.

Die körperlichen Folgen von dauerhafter Überforderung sind Kopf- und Nackenschmerzen, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Symptome, die unter „Burn-out“ gefasst werden, wie z.B. totale Erschöpfung und häufig Depressionen.

Wie komme ich aus dem Gefühl der Überforderung heraus? Was kann ich tun, um nicht ernsthaft daran zu erkranken? In Teil 2 dieses Artikels wird es um Maßnahmen gehen, die du aktiv einsetzen kannst.
In meinem E-Book „Zukunft erfolgreich verändern“ findest du kostenlose Tipps und Anregungen auch zu diesem Thema.

Herzlichst
Mike Warmeling

Raus aus der Überforderung, Teil 1
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