Berufliche Alternative für Frauen: Werde Gründerin

Warum wählen nicht mehr Frauen die Selbstständigkeit als berufliche Alternatve und werden Gründerin? Als Coach von Existenzgründerinnen und Gründern habe ich schon viele Frauen kennengelernt, denen ich eine Gründung absolut zugetraut hätte. Trotzdem haben sie es vorgezogen, in Anstellung zu bleiben.

Die Eigenschaften Durchhaltevermögen, Selbstorganisation, Mut, Belastbarkeit, verkäuferisches Talent, Ehrgeiz, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein sowie fachliche und betriebswirtschaftliche Qualifikationen sind Skills, die zur erfolgreichen Selbstständigkeit benötigt werden. Daran mangelt es Frauen nicht. Wieso entscheiden sie sich trotzdem gegen eine Gründung? In diesem Beitrag gebe ich Tipps, wie sich Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit einfacher machen können.

Der Anteil von Frauen an der Gründungstätigkeit ist 2017 auf 37% gefallen (Quelle: Kfw-Gründungsmonitor 2018) gefallen.

Bei Vollerwerbsgründungen ging ihr Anteil überproportional zurück. Weit mehr Frauen gründen als Nebenerwerb und ergänzen damit ihre angestellte Tätigkeit.

Typisch weibliche Gründungsbereiche

Für viele Frauen ist die Nebenerwerbsgründung häufig eine Lösung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hierzulande werden außerdem rund 1.9 Millionen Menschen zuhause gepflegt. Auch sie werden größtenteils von weiblichen Angehörigen versorgt. 90 % aller Gründerinnen wollen ihrem Unternehmen keine Priorität vor dem Privatleben einräumen. Fast die Hälfte der Gründerinnen wählt Tätigkeiten im Bereich der persönlichen Dienstleistungen aus, wie Physiotherapie, freiberufliche Lehrtätigkeiten oder Haushaltsdienste. Diese Berufsfelder entsprechen auch den Ausbildungsbereichen, die Frauen am häufigsten auswählen. Sie sind in Deutschland traditionell schlechter bezahlt als die wirtschaftlichen Dienstleistungen(IT-Service, Steuer- und Rechtsberatung etc.), die die meisten selbstständigen Männer anbieten.

Geringe Investitionskraft

Viele Existenzgründerinnen verfügen über ein geringes Eigenkapital. Kein Wunder, denn sie hatten bis dato schlecht bezahlte Jobs oder waren in einer langjährigen Familienphase ohne eigenes Einkommen oder in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen tätig. Im Schnitt investieren Frauen weniger in ihre Existenzgründung und bevorzugen Geldquellen wie Freunde oder die Familie, statt Kredite aufzunehmen. Niedrige Kredite sind für Banken unattraktiv. Außerdem haben weibliche Gründer noch immer Probleme, in Kreditverhandlungen auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Die Lösung kann in einem Mikrokredit bestehen, der zunächst bis zu € 10.000 umfasst, nach 6 monatiger problemloser Rückzahlung bis auf maximal € 20.000 aufgestockt werden kann. Auf der Internetseite www.mein-mikrokredit.de gibt es nähere Infos. Eine weitere Möglichkeit sind die vielfältigen Fördermöglichkeiten durch die Europäische Union. Sie müssen je nach Vorhaben recherchiert werden, z.B. in: www.foerderdatenbank.de. Zunehmend spielt auch Crowdfunding eine Rolle für den Finanzbedarf von Startups. Anregungen findest du z.B. unter www.crowdfunding.de.

Kleines Risiko, kleines Unternehmen

Das große Risikobewusstsein von Gründerinnen ist unter anderem darin begründet, dass die meisten Frauen eine ausgeprägte Angst vor dem Scheitern haben. Durch geringere Investitionen versuchen sie, den möglichen Schaden zu begrenzen. Dass sie ihr Unternehmen dadurch klein halten, statt auf schnelles Wachstum zu setzen, ist bei vielen gewünscht. Eine hohe Arbeitsbelastung im Beruf schmälert die Zeit für das Privatleben.
Die Gründungsform als Kleinunternehmen ist am wenigsten aufwendig und am besten geeignet, die Selbstständigkeit zu testen.

Belastungen in Privat- und Berufsleben minimieren

Gerade Mütter von Klein- und Schulkindern brauchen einen starken sozialen Hintergrund, um den Balanceakt zwischen Beruf und Privat zu bewältigen. Wird ein Kind krank und kein Vater oder keine helfenden Großeltern sind zur Stelle, bricht das Organisationschaos aus. Unternehmerinnen können teils flexibler reagieren, als Frauen in Anstellung. Da wird halt ein Termin verschoben oder ein Auftrag abends abgearbeitet, wenn sich der Vater kümmern kann oder das Kind schläft. Trotzdem: Es ist gut, für diese Situationen einen Plan B in der Tasche zu haben:
● Gibt es im Kindergarten oder in der Schule jemanden, der als Hausfrau oder Hausmann tätig ist und gegen einen kleinen Obolus in diesen Situationen kurzfristig einspringen kann?
● Ist es generell denkbar, sich mit anderen Gründerinnen oder Gründern auch räumlich zusammenzutun und sich gegenseitig im Bedarfsfall zu vertreten?

Einstellungen überprüfen

Das waren die Tipps für das praktische Herangehen. Genauso wichtig ist die mentale Einstellung zur Mehrfachbelastung:

Perfektionismus

Es gibt keine Chance, alle Rollen im Frauenleben perfekt auszufüllen. Du bist gleichzeitig Mutter, Unternehmerin, meistens Partnerin/Ehefrau, Hausfrau, Tochter, Freundin, Nachbarin, vielleicht hast Du ein politisches Amt oder ein Ehrenamt, bist Mentorin, Elternvertreterin usw. Wie sollst Du die sich daraus ergebenden Erwartungen und Aufgaben gleichermaßen gut erfüllen? Setz Prioritäten, zieh nicht alle Arbeit an Dich, bitte andere um Unterstützung, setze Grenzen, wenn es zu viel wird. Du kannst Dich so gut organisieren, wie möglich, es wird Dir immer wieder etwas in die Planung grätschen, was nur durch Improvisation gelöst werden kann. Sei nicht zu perfektionistisch und selbstkritisch. Manchmal ist es das Wichtigste, die Dinge wenigstens am Laufen zu halten.

Selbstfürsorge

Außerdem bist auch Du noch da, mit Deinen ureigenen Bedürfnissen und Wünschen. Schaff Dir bewusst regelmäßig Freiräume, damit Du nicht ausbrennst und stattdessen Energie schöpfen kannst. Treib Sport, geh ins Kino, geh tanzen – was immer Dir Spaß macht! Das ist genauso wichtig, wie alles andere! Alleinerziehende Frauen sollten sich nicht scheuen, z.B. Freundinnen darum zu bitten, für 2 Stunden in der Woche Kinder zu hüten, damit Freiräume entstehen.

Selbstwert

Wenn Du Dir genau überlegst, was Du alles leistest, ist es garantiert eine Unmenge. Klopf Dir dafür auf die Schulter und belohne Dich. Das hilft über Zeiten, in denen Du hauptsächlich siehst, welche Arbeiten wieder liegen geblieben sind…

Bescheidenheit

Viele Frauen neigen dazu, ihre Leistungen herunterzuspielen. Das ist doch alles selbstverständlich? Nein, ist es nicht. Wie oft habe ich Frauen im Gespräch mühsam dazu bewegen müssen, über ihre Kompetenzen zu sprechen. Männer haben eher das Problem, ihre Selbstdarstellung zu übertreiben. Frauen werden zu dieser „bescheidenen“ Haltung erzogen, weil viele weibliche Betätigungsfelder im Wert geringgeschätzt werden, um gesamtgesellschaftlich weniger Kosten zu verursachen. Frauen sind inzwischen besser ausgebildet als Männer, verdienen aber weniger. Wer gute Arbeit macht, verdient auch eine entsprechende Honorierung. Frauen, verkauft eure Leistungen nicht billig, sondern leistungsgerecht! Und so solltet Ihr auch Eure Stundensätze, Honorare oder Pauschalen kalkulieren und argumentieren.

Unterstützung und Netzwerken

Gerade weil Frauen das Risiko fürchten, aber kein bisschen schlechter im Erfolg ihrer Unternehmungen sind, gibt es Unterstützung durch verschiedene Institutionen. Das Bundeswirtschaftsministerium und die bundesweite Gründerinnenagentur bieten z.B. hilfreiche Online-Trainings und eine Gründerinnen-Hotline an. Es gibt regionale Stammtische und Netzwerke von Unternehmerinnen. Dort können möglicherweise auch Kontakte zu erfahrenen Unternehmerinnen geknüpft werden, die als Mentorin zur Seite stehen. Auch die Handels- und Handwerkskammern haben spezielle Veranstaltungsangebote für Gründerinnen und Unternehmerinnen.

Das Rad nicht neu erfinden

Bei der Gründung kann es hilfreich sein, auf erprobte Konzepte zuzugreifen. Die Warmeling Consulting bietet Geschäftsideen an, die für eine Existenzgründung im Vollzeit- oder Nebenerwerb geeignet sind. Wir stellen sie gern im persönlichen Gespräch vor!

Mike Warmeling

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