Keine Angst vorm „Terminator“

REFA-Techniken machen fit für die Zukunft 4.0

Was ist, wenn zukünftig nur noch Roboter unsere Arbeit erledigen? Rationalisiert sich der Mensch selbst weg oder macht er sich zu abhängig von Maschinen? Schon immer hatten Menschen Zukunfts-Visionen. Manches davon wirkt wie Science Fiction, anderes ist bereits Alltag. Gemeinsam ist allen Szenarien: Gegenüber den technischen Innovationen wird der Mensch nur wenig berücksichtigt.
Natürlich kann man eine Produktionsstraße vollautomatisieren, aber wie sieht es mit den Prozessen davor und dahinter aus? Wer überwacht, steuert, wartet und entscheidet? Es sind die Menschen, eben die „Wertschöpfungserbringer“ der Neuzeit – vielleicht nicht mehr durch „eigener Hände Arbeit“, doch aber bestimmt mit viel Kopfarbeit, Erfahrung und Übersichtswissen

 

Kein Dienst nach Vorschrift mehr

Auch Prof. Dr. Ing. Sascha Stowasser, Leiter des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft in Düsseldorf, sieht diesen Wandel: „Es wird den Dienst nach Vorschrift nicht mehr geben – die Arbeit wird sich mehr als direkte Kommunikation zwischen Auftrag, Maschine und Mitarbeitern ergeben.“ Er fügt die damit verbundenen Anforderungen an die Arbeitenden hinzu: „Sie sollen ihre Erfahrung in den Prozess einbringen können und offen für die Verbesserungen sein, die die Digitalisierung uns bringt.“

Genau in dieser Weise werden eine qualifizierte Facharbeiterin oder ein in Elternteilzeit arbeitender Angestellter ihre Leistung erbringen müssen. Eine Leistung, die im Zweifelsfall nur dadurch erkennbar wird, dass die automatischen Prozesse weiterlaufen, dass die Maschinen genügend Material haben oder dass die Störung einer Maschine nicht den ganzen Prozess der Supply Chain zum Stottern oder Stocken bringen wird.

 

Ein Beispiel

Bei der schlanken Liniengestaltung etwa geht es um die drei Stränge „Mitarbeiterfluss“, „Materialfluss“ und „Informationsfluss“. Um diese miteinander zu harmonisieren, stellt der RFEA Techniker folgende Fragen:
• Entsteht durch den Einsatz der Mitarbeiter in irgendeiner Weise eine Verschwendung?
• Trägt der Mitarbeiter durch seine Tätigkeit direkt zur Produktivität oder zum Umsatz bei?
• Ist der Mitarbeiter optimal ausgelastet (= entsprechend seiner Kompetenzen)?
• Entstehen durch den Materialfluss Verschwendungen (Material, Energie, Zeit …)
• Bewegt sich das Werkstück von einem Wertschöpfungsschritt zum nächsten?
• Sind die Prozessschritte gekoppelt oder bestehen Zwischenpuffer?
• Entstehen beim Informationsfluss Verschwendungen (z. B. Redundanzen, mehr Zeitaufwand durch fehlende oder unnötige Informationen)?
• Wie schnell werden Probleme und Abweichungen bemerkt?
• Was passiert in diesem Fall?
• Welche Anweisungen (z. B. Arbeits- und Prüfpläne) liegen vor – und erfüllen diese ihren Zweck?
(Vgl. REFA-Fachbuchreihe Unternehmensentwicklung „Industrial Engineering“, 2011, S. 168 f.)

Auch die Analyse von Daten ist für REFA schon immer die Basis fachgemäßer Entscheidungen gewesen, deshalb hat der REFA-Techniker IE hier klar einen Heimvorteil. Und dieser kommt allen Unternehmen zu Gute, die ihre Mitarbeiter/Innen mit dem notwendigen REFA-Wissen ausstatten.

Quelle: nach der REFA-Methodenlehre

Vom Arbeitssystem über die Prozesskette bis zum Unternehmensmodell kann der REFA-Techniker IE die Mikro-, Meso- und Makroperspektive einnehmen. Entscheidungen im Detail werden auf ihre Auswirkungen im gesamten Unternehmenskontext analysiert. Gerade deshalb stellt der REFA-Techniker IE die Symbiose der Kernthemen Digitalisierung und Demographische Entwicklung dar. Denn ein erfahrener Mitarbeiter weiß um die Abläufe im Unternehmen Bescheid.

 

REFA-Erfahrung zählt

Ein erfahrenes Betriebsmitglied mit REFA-Hintergrund ist in der Lage, auch die Prozesse in der Industrie 4.0 steuern. Das macht den modernen „Wertschöpfungserbringer“ aus, unabhängig vom Alter, welches heute teils noch als Hemmnis für die notwendige Entwicklung der Unternehmen angesehen wird. Die Bewältigung von Themen wie Industrie 4.0, Digitalisierung und dem Demographischen Wandel hat gerade mit REFA eine gute Chance, die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen nachhaltig und positiv zu verbessern. Auch Stowasser sagt: „Der Wandel braucht eine Kultur. Und Menschen, die sich dafür begeistern!“ *

Lars Pielemeier

*Literaturhinweis: Mehr Information finden Sie im gerade erschienenen REFA-Dosssier „Arbeit mit Zukunft. Was uns erwartet, was uns ändern wird: Experten und Meinungen zur Zukunft der gewerblichen Arbeit. Dortmund 2016, kostenfreier Download auf www.zukunft-refa.de

 

Checkliste Prozessverbesserung nach der REFA-Methodenlehre der „Prozessorientierten Arbeitsorganisation“

Reihenfolge
• Ist die Reihenfolge der Vorgänge stimmig?
• Werden die wichtigsten Dinge zuerst bearbeitet?
• Lässt sich Zeit durch eine Änderung der Reihenfolge sparen?
Reduktion
• Tragen wirklich alle Vorgänge zum Ergebnis bei?
• Können bestimmte Vorgänge wegfallen?
Straffung/Zusammenfassung
• Ist es sinnvoll, Vorgänge zu straffen oder zusammenzufassen?
Vereinfachung
• Können Vorgänge vereinfacht werden?
Parallel-Schaltung
• Lassen sich Vorgänge gleichzeitig durchführen?
Auslagern
• Führen andere Organisationseinheiten oder externe Anbieter bestimmte Vorgänge schneller und ggf. auch kostengünstiger durch?
Schnittstellenoptimierung
• Können Schnittstellen zu Lieferanten, anderen Organisationseinheiten oder Arbeitspersonen verringert oder effizienter ausgestaltet werden?

Über unseren Gastautor Lars Pielemeier

Der Geschäftsführer des REFA-Regionalverbands OWL (Jahrgang 1969) ist gleichzeitig Entwicklungsbeauftragter von REFA Nordwest e. V.. Nach Ausbildungen zum Werkzeugmacher und zum Industriekaufmann mit Ausbildereignung absolvierte er die komplette REFA-Weiterbildung und arbeitete einige Jahre in diesem Themenbereich. Mit seinem Abschluss als European Industrial Engineer ist er seit 2002 Leiter der Niederlassung in Bielefeld. Innerhalb von fast 15 Jahren akquirierte er mit seinem Team mehr als 1.200 Absolventen, die ihre Weiterbildungen mit über 500.000 Teilnehmerstunden erfolgreich abschlossen. Aktuell ist er verantwortlich für das REFA-Entwicklungsprojekt “Arbeit mit Zukunft”. Er beherrscht den Blick auf das Ganze ebenso wie die Wahrnehmung von Details. Seine Passion ist die Wirkgrafenentwicklung in sozio-technischen Arbeitssystemen, um komplexe Sachverhalte zu analysieren und einfach zu erklären.

 

Kontakt:
REFA Nordwest e. V.
c/o REFA OWL – Hermann-Delius-Straße 4 – 33607 Bielefeld
fon.: (05 21) 5 21 63 40 – fax.: (05 21) 5 21 63 41
mail: l.pielemeier@refa-nordwest.de
www.refa-nordwest.de/regionen-und-bezirke/nordrhein-westfalen/rv-ostwestfalen-lippe

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